Chronik

Die Anfänge des Thierseer Volkstheaters liegen weit vor dem Passionsgelübde von 1799. Man pflegte neben dem Fasnachtstreiben allerorten das geistliche Spiel zu kirchlichen Anlässen, in Stubenkomödien wie etwa in einem Nikolaus- und Weihnachtsspiel in Landl oder in größeren Gemeinschaftsaufführungen wie in Josef Sieberers „Engelsturz“ in Vorderthiersee.

Um die Jahrhundertwende begann sich ein neuer Höhenflug des Volkstheaters anzubahnen. Der Warterbauer Josef  Juffinger erwies sich als geschickter Dramatiker und  beeindruckte zudem auch als Darsteller und Regisseur. Der Gastronom Matthias Pirchmoser errichtete eine „moderne Bühne“ in seinem Gasthof „Schmiedwirt“; eifrig gespielt wurde daneben auch in Vorderthiersee beim Kirchenwirt. In Landl erfreute sich das Wildererdrama „Jenneweins Ende“ größter Beliebtheit und in Hinterthiersee gründete man 1920 einen Theaterverein. 1947 gründete Josef Atzl die „Thierseer Volksbühne“ und 1949 rief Toni Bichler die „Volksbühne Landl“ ins Leben.  Vorderthiersee erhielt gute Kritiken für große Stücke wie „Wilhelm Tell“ „Juda ben Hur“ oder „Frau Pilatus“, welche im Passionshaus zur Aufführung gelangten.

Die Theatervereine in Landl, Hinter- und Vorderthiersee stellten ihren Spielbetrieb aus verschiedenen Gründen ein. Der Verbundenheit zum Volksschauspiel und der Tradition folgend wurden aber bereits 1953 Gespräche zur Gründung einer „gemeinsamen Bühne“ geführt und so kam es schlussendlich unter der Federführung von Toni Bichler und Ludwig Neuschmid im Herbst 1953 zur Gründung der „VOLKSBÜHNE ALPENLAND“ und diese wurde im Frühjahr 1954 sowohl „statutarisch als auch behördlich bei der BH Kufstein“ angemeldet und besteht seit dieser Zeit als Verein.

Zu den beiden Initiatoren gesellten sich Elfriede Bichler, Maria Neuschmied, Josef Sieberer und die Eheleute Barbara und Hans Eder.

Die junge Gemeinschaft ging mit viel Elan an die Aufgaben heran und gastierte auf Grund fehlender Veranstaltungsmöglichkeiten (wie sich die Dinge gleichen) als Wanderbühne jährlich mit durchschnittlich zwei Neuinszenierungen an bis zu dreißig verschiedenen Spielorten im gesamten Land Tirol. Hauptziel war es schon damals vom reinen Unterhaltungsimage wegzukommen und als echter Kulturträger angenommen zu werden. Der Weg dorthin war nicht immer von Erfolg begleitet. Kritik wurde nicht gescheut und so ist einem Tätigkeitsbericht von 1962 zu entnehmen: „Um die reine Wahrheit über unser Können zu erfahren beschloss unser Vorstand, die Presse nicht zu einem Gläschen Wein einzuladen“.

Aus dieser Gründerzeit des Vereines ist auch unter Mithilfe der befreundeten Bühnen in Ebbs und Kirchbichl der damalige „Verband der Unterinntaler Volksbühnen“ entstanden. Mit der Zeit wurden immer mehr Laienspielgruppen  in den Verband aufgenommen und es entstand dann in der Folge der jetzige „Landesverband Tiroler Volksbühnen“; unsere Bühne war auch in diesem Bereich federführend und wird als Gründungsmitglied der nord-, ost- und südtirolweiten  Interessengemeinschaft geführt.

Im jetzt fünfzigjährigen Bestehen der Volksbühne Alpenland wurden 112 Stücke aufgeführt und in fast 800 Aufführungen ca. 120 000 Zuschauer erfreut. Die Palette führte dabei über dramatische und ernste Stücke wie „Das unheilige Haus / Der Weibsteufel / Jonny Belinda / das Mysterienspiel „Frau Pilatus“ bis hin zu den allseits bekannten Volks- und Bauernkomödien. Obwohl man sich ab den siebziger Jahren hauptsächlich der publikumwirksamen Richtung des Lustspiels und der Bauernkomödie zuwandte, darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass die Bühne nie Gefahr lief, ihren Bildungsauftrag zugunsten dem Kommerz geopfert zu haben.

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